Wenn Debian, dann Ubuntu

Vor nunmehr zwei Wochen habe ich das bestehende Debian Linux auf meinem Heimrechner durch ein aktuelles Ubuntu ersetzt. Der entscheidende Auslöser zu diesem Entschluss wahr, dass bei dem entfernen von Paketen, die ich mir testhalber zum Überprüfen der Kompatibilität des neuen iPod nano unter Linux installiert habe, durch Unachtsamkeit ein falsches Paket zum löschen markierte, wodurch ich mir die halbe Gnome-Umgebung zerschossen habe. Die einzig schnelle Art das System schnell ohne große Fummelei wieder vollständig zum laufen zu bringen, ist die Neuinstallation auf Basis des aktuellen Testing-Snapshot. Doch diese Herangehensweise entpuppte sich als sehr Fehlerhaft, da einige Programme ihren Dienst nicht mehr so zuverlässig verrichteten, wie sie es vorher bei Lenny taten. Ich nehme mal stark an, dass dies dadurch herzuleiten ist, weil das Debian-Projekt den Testing-Zweig von Lenny eingefroren hat, was bedeutet, dass man zwar Fehler in den verwendeten Pakete beseitigt, aber keine neueren Versionen mehr mit aufgenommen werden und dies dennoch wohl zu Komplikationen mit den Paketen der ISO-Images führt. So habe ich mal die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mir die aktuelle Version von Ubuntu aus dem Internet heruntergeladen und mal wirklich auf den Produktivrechner installiert. Und mir fallen da nur folgende Worte ein: „Wow! – Das läuft vielleicht was von fluffig!“ Denn obwohl es sich rein technisch auch um ein Debian-System handelt, besitzt es einige Stärken gegenüber seinem Vorbild, die wohl auf die nicht so strenge Einhaltung von quell offenen Paketen zurück zu führen ist. Als erstens und bei genauerer Betrachtung fällt die Unterstützung von Grafikkarten auf, die bei denen des Chipherstellers ATI besonders grausam ist und sogar bei der von mir verwendeten Radeon 9800 Pro es bei anderen Distributionen noch mal eine Spitze auf den Eisberg der Unzumtbarkeit setzt. Statt dessen bietet das Paket xorg-driver-fglrx eine saubere Erkennung der Grafikkarte als es unter anderen Systemen selbst mit einer Vielzahl von Tricks in den wenigen aussichtslosen Versuchen in der Vergangenheit auf Anhieb hin bekommen hätte. Ein großer Vorteil ist es nun, das ich endlich (vlt. mal wieder) in meiner Paketverwaltung einzelne Pakete der Gnome-Suite entfernen kann, ohne das man dabei das komplette Envoirement deinstallieren muss. – Dies war nämlich genau der Punkt, warum ich mir unter Debian die halbe grafische Oberfläche zerschossen habe. Denn Programme wie zum Beispiel die Standard Spielesammlung, die Bildschirmschoner oder einen VOIP-Client der jedes mal bei der Standartinstallation mit installiert werden, benötige ich nun wirklich nicht und kann von daher mir die Ressourcen auch sparen. Sehr zu meiner Überraschung ist es sogar möglich, Google Earth als vorgefertigtes Debian-Paket aus einer für jede Ubuntu-Version extra angepassten Paketquelle für unfreie Software im Bereich Multimedia und Unterhaltung zu installieren. Ein echt tolles Feature was man in den Nautilus Dateimanger eingebaut hat – und welches ich so noch nirgendwo in einem anderen Betriebssystem gesehen habe – ist, dass wenn man mit dem Mauszeiger auf eine Audiodatei fährt, an dem Symbol eine kleine Sprechblase mit einem weiteren kleinen Notensymbol erscheint und nach nur einem kurzen Augenblick die Audiodatei anfängt abzuspielen. Wenn man dann mit der Maus wieder von dem Symbol wegfährt stoppt die Wiedergabe wieder. Das ist extrem praktisch, wenn man in irgendwelche Titel rein- oder sie mal anhören möchte ohne sie dabei in eine Playliste laden zu müssen bzw. die bestehende damit auch noch zu zerstören oder der Audiostream im Realplayer nicht unterbrochen werden muss. Eine absolute Erlösung unter Ubuntu ist aber, das anstatt dem Paket flashplayer-mozilla unter Debian das Paket flashplayer-nonfree verwendet wird. Denn nach irgendeinem Distupgrde unter Lenny wurde von flashplayer-mozilla eine neue Version eingespielt, die unter den Gnome-Browsern Galeon und Epiphany nicht mehr performede und man gezwungen wahr, wenn man Flashinhalte recht flüssig darstellen wollte, auf den Firefox umzustellen. Für mich, der einen Webbrowser nutzen möchte, der sich in den Gnome-Desktop (optisch) integrieren soll, ist so was ziemlich doof.
Aber Ubuntu zeigt für mich auch einige Schwächen. Was ich nämlich sehr schade finde ist, das statt dem normal üblichen Gnome-Applet zum Beenden oder Herunterfahren des Computers ein eigenes und umfangreicheres eingesetzt wird, welches sehr groß durch die Mithinzunahme der Logout und Switch User Befehle ist. Es bietet keine Möglichkeit, die letzte Aktion als vorgewählt zu übernehmen und bei einer nicht-Bestätigung den Computer nach einem Zeitlimit automatisch diese erneut ausführen zu lassen. Für Benutzer einer Tastatur mit entsprechender Zusatztasten bedeutet dies wieder einen Mehraufwand an Interaktion durch das Drücker der Tabulator-Taste oder mit der Maus. Ein weiteres Problem stellt mal wieder der Feed-Aggregator Liferea dar. Wie bei einem voran gegangenem Artikel beschrieben ist er nicht in der Lage, die Einstellungen im Heimatverzeichnis einer neueren Programmversion in eine ältere zu übernehmen. Das schlimme dabei ist, das es sich im Gegensatz zu damals nur um einen Versionsunterschied mit Nummer hinter dem zweiten Komma handelt. Man muss dazu sagen, dass die noch aktuelle Version Ubuntu 8.04 (Hardy Heron) eine ältere Version von Gnome und GTK verwendet als die zur Zeit eingefrorene Version bei Debian Lenny. Aber letztendlich wird dieses Problem bestimmt sehr bald dadurch gefixt sein, dass nämlich für Ende des Monats die Ubuntu-Version 8.10 (Intrepid Ibex) zur Veröffentlichung geplant ist.

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