Der Fall der Berliner Mauer

Ich mache mir normalerweise nichts aus Jubiläumstagen irgendwelcher zeitgeschichtlichen Ereignisse, aber vor etwa einem halben Jahr habe ich mir im Fernsehen die zum 25. Jahrestag des Mauerfalls der DDR-Grenzen produzierte Tragikomödie „Bornholmer Straße“ angesehen. Der Film an sich ist relativ durchschnittlich, eine Mischung aus zeitgeschichtlicher Historie gepaart mit ein wenig Situationskomik und DDR-Klamauk im Stil von ‚Sonnenallee‘ oder ‚Helden wie Wir‘. Letztendlich hat der Film etwas ganz anderes in mir ausgelöst. Er hat mich nämlich an dem Wochenendtrip von ein paar Freunden und mir nach Berlin zur ‚Freiheit statt Angst‘- Demonstration im August 2014 erinnert.:

Wir erreichten gemeinsam die Eigentumswohnung von Wonkos Mutter gegen Mitternacht vom Freitag auf Samstag in Berlin. Nachdem wir unser Gepäck in die Zimmer abgelegt hatten, bat uns Wonko noch einmal zurück in den Flur, um uns die Innenseite der Wohnungstür anzuschauen. An ihr war ein verglaster Bilderrahmen mir der Titelseite der ‚Berliner Zeitung‘ vom 10. November 1989 angebracht. Für mich war dies ein sehr epischer Moment mit dem Gefühl von etwas Ehrfurcht, weil dort ein Stück Zeitgeschichte konserviert ist.
Ich ärgere mich gerade, dass ich damals mit meinem Smartphone kein Foto von der gerahmten Zeitung geschossen habe. Ich denke, dass bis auf einige Archive, die inzwischen fast 30 Jahre alte Ausgabe der BZ in den meisten Fällen ihren Weg zum Altpapier gegangen sind und allenfals wieder für neue Nachrichten und Storries recycelt wurden.

Aber es ist wichtig zu wissen, dass der 09. November nicht nur das Datum über das freudige Ereignis der Grenzöffnung zwischen der alten Bundesrepublik und DDR 1989 ist, sondern dass die Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 als Reichspogromnacht in die dunkle Geschichte Deutschlands eingegangen ist. Dabei wurden vom 07. bis 13. November etwa 800 Juden ermordet, 400 davon in der Nacht vom 9. auf den 10. November. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust mündete.

Links:
Die Berliner Mauer
Bornholm Straße (dt. Spielfilm 2014)
Freiheit statt Angst
Sonnenallee (Film, Wikipedia)
Helden wie wir (Film, Wikipedia)
Novemberpogrome 1938 (Wikipedia)

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