Wahlbeobachtung zur Hessischen Landtagswahl am 27. Januar 2008

Ergebnissbericht (g0ph3r/Sommteck)

Morgens um 06:45 Uhr am Bad Sodener Rathaus (Wahlbezirk 3) eingetroffen. Dieses war noch verschlossen. Von der Straße war trotzdem zu erkennen, dass sich mindestens eine Person im Gebäude aufhielt und Vorbereitungen trief.
Um ca 07:00 im Hotel-Ramada (Wahlbezirk 1) eingetroffen. Dort war das dafür vorgesehene Wahllokal unverschlossen, es wurde aber kein Wahlgerät darin gelagert. Dieses wurde ca 15 Minuten später erst von dem Wahlvorsteher und einer Begleitperson persönlich aus dem Rathaus mit einem Fahrzeug mitgebracht, wodurch der Vorteil entstand, dass eine protokollarische Übergabe entfiel. Wenige Minuten später erreichten auch die anderen Wahlhelfer das Lokal, so dass insgesammt sechs Personen für den Wahlkreis zuständig waren. Mit Beginn des Aufbau haben wir uns auch als Wahlbeobachter, mit der Bitte diesen doch unmittelbar zu beobachten, vorgestellt. Daraufhin wurden wir aus dem eigentlichen Wahlraum verwiesen, konnten aber anhand der geöffneten Tür den Vorgang aus der Entfernung Beobachten. Das einschalten des Wahlgerät und die Prüfung der Checksumme erfolgte ohne Benutzung des Handbuch. Es wurden die beiden Schlüssel anschliesend auf zwei anwesende Mitglieder des Wahlvorstand aufgeteilt.
Als pünktlich um 08:00 die erste Wählerin am Gerät ihre Stimmen vergeben wollte, herschte eine spürbare Unsicherheit des gesamten Wahlvorstandes über dessen Bedienung. Womöglich haben die einzelnen Mitglieder des Wahlvorstandes mit Beginn der Wahlhandlung, sofern sie in diesem Wahlkreis gemeldet sind, auch ihren eigen Wahlgang am Gerät bestritten. Wenig später konnten wir beobachten, dass der Wahlvorsteher kurz die dem Wähler zugewendete Seite des Gerät betrat, obwohl dies nach dem Wahlerlass nicht gestattet ist. Hier hätte womöglich ein Manipulationsversuch im nachhinein noch gestartet werden können, in dem man zum Beispiel die Schablone mit den gelisteteten Kanidaten und Parteien durch eine andere hätte erstzen können. Als gegen 08:30 der Wahlvorsteher im Begriff wahr, das Lokal zu verlassen, sprachen wir ihn auf diese Auffälligkeit an und ging dabei mit uns auf ein Aufklärendes Gespräch ein und belehrte anschliessend seine Wahlhelfer vorsorglich nochmals über das Verhalten.
Die ganze Zeit – also während des Aufbaus und der eigentlichen Wahlzeit – hatten wir uns vor dem eigentlichen Wahllokal auf zwei Sesseln postiert, welche um einem etwas schmalen Bürotisch mit einem PC standen. Für seine Benutzung musste man über einen Münzzähler Geld einwefen und man konnte für 1,- € etwa 10 Minuten über einen Webbrowser im Internet surfen. Das taten wir schliesslich auch, um unsere Anwsenheit im Falle rechtfertigen zu können und somit gegenüber dem Hotel eine Serviceleistung in Anspruch genommen zu haben. Eine Weile später – zu der Zeit befand sich kein(e) Wähler(in) im Lokal – kam eine Wahlhelferin auf uns zu und suchte mit uns das Gespräch. Dabei fragte sie uns über unsere Motivation hier zu sitzen und erörterten gemeinsam mit uns in einem gelockerten Verhältnis über die Zuverlässigkeit der Wahlprozeduren. Dabei fragte sie uns, ob wir denn jetzt nicht versuchen würden, über den hier stehenden PC, uns in den Wahlcomputer hinein zu ‚hacken‘. Wir konnten ihr versichern, dass wir keinerlei Absicht haben das zu tun und dies auch überhaupt nicht möglich ist. Er diente auch uns lediglich nur zum Zeitvertreib um im Internet zu surfen.

Gegen 09:30 traf ein weiterer Wahlbeobachter, welcher ein anderes Wahllokal in Bad Soden beobachtete, bei uns ein und tauschte mit uns zusammen unsere Erfahrungen aus. Danach verliesen wir zu dritt das Hotel Ramda.

Gegen 17:30 Uhr traf ich mich mit g0ph3r im Hotel vor dem Wahllokal wieder. Mit dem Ende der Wahlzeit um 18:00 Uhr durften wir auch das Lokal zur Auszählung der Stimmen betreten. Hier konnte ich von vornherein Beobachten, dass das 4-Augen-Prinzip immer eingehalten wurde. Mit dem Ausdrucken des Wahlergebnis haben wir darum gebeten, die Checksumme des Bon mit der des Begleitschein zu prüfen. Dies durften wir zwar auch selber tun, es wurde uns aber untersagt diese auch selber zu notieren. Die Speichermodule wurden entnommen und in den dafür vorgesehenen Umschlag verpackt. Die Siegel waren, soweit zu erkennen, noch in Ordnung und das Gerät wurde mit dem einem roten, mitgelieferten Band transportbereit verschnürt. Ob hier noch eine spezielle Verplombung am Gerät vorgesehen wurde, konnte ich nicht erkennen. Um 18:30 war die ganze Prozedur abgeschlossen und das Gerät wurde von den selben Personen (dem Wahlvorsteher und einer Wahlhelferin) eigenhändig mit einem Fahrzeug zurück in das Rathaus gefahren.

Während des ganzen Wahltag war das Lokal, zumindestens während unserer Anwesenheit, immer von mindestens vier Personen besetzt. Eine gewisse Angespanntheit war sowohl bei dem Wahlvorsteher als auch bei einer jüngeren Wahlhelferin, welche vermutlich aufgrund noch geringer Praxiserfahrung zum Teil abblockend reagierde und jede Handlung unsererseits immer erst mit der Bezirkswahlleitung in Absprache halten wollte, zu spüren. Es ergab sich aus den Gesprächen heraus, dass man über das in scheinen treten von Wahlbeobachter in Vorhinein informiert wurde. Aus der Beobachtung ergab sich auch, dass ein Wahlhelfer und eine Helferin wohl ein Ehepaar sind. Auf das fotografieren haben wir bewusst verzichtet, um die Situation nicht weiter zu reizen oder gar eskalieren lassen. Es wurde während des ganzen Wahlprozess keine Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) für den Fall eines Stromausfall eingestzt. Im grossen und ganzen kann man sagen, dass sowohl der Wahlvorgang mit dem hier eingestzten Wahlgerät der Firma Nedap, als auch unsere damit verbundene Wahlbeobachtung in diesem Wahlkreis ohne Störfällen und ohne grösseren Probleme statt fand.

Nachdem ich so gegen ca 18:45Uhr vor meinem Haus ankamm, machte ich mir den Spass und stattete der ansässigen Grundschule zwei Strassen weiter einen Besuch ab, um bei der Stimmenauszählung von einem meiner örtlichen Wahlkreisen bei zu wohnen. Denn zum Glück wurde in meinem und den anderen Wahllokalen meiner Gemeinde, wie gewohnt, mit Stift und Papier gewählt. Als ich das eine von den drei Lokalen betrat – die anderen zwei wahren vermutlich schon mit ihrer Stimmenauszählung fertig und in dem restkichem sei sogar die örtliche Politprominenz anwesend – wahr man wohl gerade im Begriff die ausgezählten Stimmen wieder zusammen zu zählen, wobei Bemerkt wurde, dass man wohl drei ungüldige Stimmen übersah. Nach einigem Hin und Her und wie man doch wohl die ungültigen Stimmen in die Gesammtrechnung einbeziehen müsse, fand man sie dann doch endlich. Ich hatte mich derweil an eine Schulbank nähe der Tür gesetzt, an der auch schon ein anderer Herr saß und mir auf meine Frage, ob er denn ein Kanditat dieses Bezirkes sei, mir antwortete, dass er lediglich auf seine Frau wartete, welche Teil des Vorstandes war. Ich ahnte, dass es sich dann doch eher um den einem etwas älteren, korpulenten Herr mit Bart und Anzug handelte, welcher sogar Teil des Wahlvorstand sein musste, da er an dem selben Tisch der anderen Vorstandsmitglieder saß, eher aber eine Beobachtente Rolle einnahm, aber bei den verloren geglaubten Stimme dennoch mithalf nach zu zählen. Als man ja nun alle Stimmen wieder zusammen hatte, war die Erleichterung darüber so groß, dass gar nicht aufgepasst wurde, welcher Stapel an ausgezählten Stimmen in welchen vom Bezirkswahlamt dafür vorhergesehenm Umschlag gesteckt wurde. Egal! Hauptsache alle Stimmen sind da. Die Briefumschläge wurden versiegelt, und in die für den Transport bereitgestellte Tragebox gelegt, welche wiederum auch versiegelt wurde. Die restlichen leeren Stimmzettel und der ganze restliche Unrat ging in die leere Walurne und wird vom Hausmeister bis zur nächsten Wahl weggeschlossen. Was ich nun aber absolut Zweifelhaft fande, ist, dass die ausgewählte Person, welche die mit den ganzen Stimmzettel und dem Ergebnisprotokoll gefüllte Tragebox zum Bezirkswahlleiter bringt, nicht die Möglichkeit bekommt, dies mit einem PKW zu tun. Auch wenn sie selber keinen Führerschein oder ein eigens Auto besitzt. Stattdessen musste sie sich mit der S-Bahn auf den Weg machen. Das bietet sich jetzt nicht unbedingt als Angriffspotenzial für irgendeine Manipulation an, da hiefür ein gebrochener Siegel einen Versuch indizieren würde. Nur ist eine solche Box bestimmt nicht gerade ein normaler Gepäckgegenstand. Von der Beschriftung mal ganz zu schweigen. Am Ende könnten ja Stimmen als spurlos Verschwunden gemeldet werden.

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