mass:werk Lochkartengenerator

Im Herbst 2012 hat der österreichische Werbegrafiker Norbert Landsteiner eine Oberfläche für die Google Web-Suche gebaut, die dem Internetnutzer den Ablauf der elektronischen Datenverarbeitung der 1960er Jahre vor Augen führt. So wird bei dem Kunst-Projekt Google60 – dass sich an der API Rest von Google bedient – Dateneingabe des Suchbegriffs, Suchvorgang durch das Laden und Ausführen des entsprechendem Programms von einem anderen Speichermedium und die Ausgabe der Ergebnisse Schritt für Schritt dargestellt. Im konkreten heißt das: Für einen Suchbegriffe wird erst einmal mit einem Lochkartenstanzer eine virtuelle Lochkarte erstellt. Der Lochkartenstanzer ist dabei optisch ein wenig dem Lochkartenstanzer 029 von IBM nachempfunden. Die virtuelle Tastatur ist dabei auch der Teletype Modell 33 optisch sehr ähnlich. Nach der Eingabe eines Suchbegriffs wird ein Bandlaufwerk gestartet, das den Verarbeitungsprozess symbolisieren soll. Tatsächlich findet zu dieser Zeit die Suchabfrage durch Google statt. Am Ende werden die ersten acht Suchergebnisse auf virtuellem Papier mit einer Kugelkopf-Schreibmaschine ausgegeben. Die entdeckten Links werden wiederum mit einem Tastendruck angesurft. Das Ganze ist natürlich auch mit der passenden Geräuschuntermalung gepaart, was Dem noch seinen eigenen Charme zusätzlich verleiht.

Google60-Suche
Google60-Suche von mass:werk

Allerdings hat die ganze Suchabfrage einen entscheidenden Schönheitsfehler: Sie funktioniert nicht mehr. Google hat nämlich im Jahr 2016 die API Rest deaktiviert, sodass die Google-Suche durch andere Internetseiten nicht mehr so einfach möglich ist. So gesehen wäre dieser Blog-Beitrag zu dem Google60 Kunstprojekt etwas sehr spät. Aber nur weil Google diese API bereits deaktiviert hat, heißt das nicht, dass man sich bei der aus heutiger Sicht gemächlichen Art der elektronischen Datenverarbeitung nicht weiterhin zurücklehnen kann. Google60 war nicht der effizienteste Weg, um die weltweit bedeutendste Suchmaschine zu nutzen, aber er gehörte wahrscheinlich zu den reizvollsten.

Der eigentliche Punkt aber ist, warum ich diesen Blog-Beitrag darüber noch verfasse, dass mit dem Google60 Kunstprojekt Norbert Landsteiner einen Lochkartengenerator mit auf dem Weg gegeben hat. Dieser funktioniert auch noch heute nach der Deaktivierung der Google Rest API und es ist möglich, ohne der Schnittstelle zur Google-Suche sich einfach selber kostenlos persönliche Lochkarten zu erstellen.
Bei dem Lochkartenformat hat sich das Kunstprojekt für das von IBM patentierte, mit 80 Spalten und rechteckigen Löchern entschieden, welches auch am häufigsten Verwendung fand. Aber statt nur einer einfach mit den Digits bedruckten Lochkarte gibt es zusaätzlich noch Kartentypen für die Programmiersprachen FORTRAN Statement, COBOL, DATA und SYMBOLIC. – Sogar ein Format für den modernen Python-Programmierer ist dabei. Am Ende kann man seine Lochkarte, oder gleich den ganzen Batch-Stapel mit dem eigenen Python- oder COBOL-Programm downloaden. Die erstellten Lochkarten werden dabei in das verlustfreie PNG-Bilddateiformat gespeichert, bei denen für die als „1“ gewerteten Löscher der Farbkanal für die Transparenz zum Einsatz kommt. Die ganze Sache wird am Ende schließlich noch damit abgerundet, dass wenn schon Lochkarten generiert und gedownloadet werden können, es dann aber auch wieder einen Rückkanal gibt und die erstellten Lochkarten bei mass:werk zum Lesen sowie Verarbeiten von Daten und Programme hochladbar sind.

Visiten-Punchcard Sommteck
IBM 80-Spalten-Format Lochkarte mit eigener Adresse

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